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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Zuletzt aktualisiert: Dienstag, 13. Juni 2017 15:12

Betriebszertifizierung

Wer kann eine GOTS Zertifizierung beantragen?

Textilverarbeitungs-, Konfektions- und Handelsbetriebe können eine Zertifizierung gemäß Global Organic Textile Standard beantragen. Landwirtschaftliche Betriebe, die Biofasern anbauen möchten, können kein GOTS Zertifikat beantragen, jedoch eine Zertifizierung gemäß ökologischen Anbaustandards (wie z.B. USDA NOP oder Verordnung EG Nr. 834/2007).

Wie können Textilverarbeitungs-, Konfektions- und/oder Handelsbetriebe ein GOTS Zertifikat beantragen?

Anfragen und der Antrag für eine GOTS Zertifizierung sind an eine GOTS zugelassene Zertifizierungsstelle zu richten. Die zugelassenen Zertifizierer sind mit der Umsetzung des GOTS Qualitätssicherungssystems beauftragt und können individuelle Fragen in Bezug auf das Inspektions- und Zertifizierungsverfahren beantworten. Kontaktinformationen für alle GOTS zugelassenen Zertifizierer, deren örtliche Vertreter, eine Liste der Staaten, in denen sie gegenwärtig zertifizierte Kunden haben, sowie ihre akkreditierten Anwendungsbereiche finden Sie unter „Zugelassene Zertifizierungsstellen".

Was beinhaltet die Inspektion als Grundlage für die GOTS Zertifizierung?

Eine jährliche Vor-Ort-Inspektion in den Verarbeitungs-, Konfektions- und Handelsbetrieben durch unabhängige und speziell zugelassene Zertifizierungsstellen bildet die Grundlage für ihre GOTS Zertifizierung. Die Rückverfolgung des Warenflusses der Bio-Fasern, die Beurteilung aller verwendeten Materialien und Hilfsmittel, die Überprüfung des Umweltmanagements und insbesondere des Abwasseraufbereitungssystems, die Einhaltung der sozialen Kriterien und die Umsetzung der auf einer Risikobewertung basierenden Rückstandsanalytik bilden zentrale Elemente des Inspektionsprotokolls.
Die Zertifizierung von Großhändlern basiert vor allem auf der Überprüfung ihrer Unterlagen zum Warenfluss. Dabei werden Einkaufs- und Verkaufsmengen abgeglichen und zurückverfolgt um sicherzustellen, dass alle Produkte, die als GOTS zertifiziert gekennzeichnet werden, auch tatsächlich korrekt zertifiziert sind.

Was sind die wichtigsten Voraussetzungen, die ein Betrieb für den gesamten Standort erfüllen muss, in welchem GOTS Waren produziert werden?

Grundlage für die Beantragung einer GOTS Zertifizierung ist, dass der Betrieb Textilprodukte herstellt/veredelt/handelt, deren Faseranteil zu mindestens 70% aus biologisch erzeugten Fasern besteht bzw. dass der Betrieb sich auf die Verarbeitung mit diesen Produkten vorbereitet. Alle Fertigungsstätten müssen die sozialen Kriterien des GOTS erfüllen. Darüber hinaus muss eine schriftliche Umweltschutzkonzeption vorliegen: Je nach Verarbeitungsstufe des Betriebs sind geeignete Verfahren für die Überwachung und Minimierung der Abfälle und Emissionen sowie Zielvorgaben und Maßnahmen zur Reduzierung des Wasser- und Energieverbrauchs gefordert. Nassveredlungsbetriebe müssen vollständige Protokolle über die Verwendung von Chemikalien, den Energie- und Wasserverbrauch sowie über die Abwasseraufbereitung einschließlich der Entsorgung von Klärschlämmen führen. Das Abwasser aller Nassveredlungsanlagen muss in einer zweckdienlichen internen oder externen Abwasserkläranlage aufbereitet werden, bevor es in Oberflächengewässer abgeleitet wird.

Welche Kosten sind mit der Zertifizierung verbunden?

Die Kosten für die Zertifizierung hängen erheblich von der der Größe und der Art des Betriebes, der Anzahl und Lokalität der Betriebsstätten und der Produktpalette ab, die im Rahmen der Zertifizierung hergestellt und/oder gehandelt werden soll. Grob geschätzt können Betriebe mit einer Fertigungsstätte von jährlichen Zertifizierungskosten in Höhe von 1.200 bis 3.000 Euroo ausgehen. Die zugelassenen Zertifizierungsstellen werden gerne Auskunft über die genauen Angaben geben, die sie benötigen, um einen individuellen Kostenvoranschlag zu erstellen. Neben den Zertifizierungskosten, die dem Zertifizierer zu zahlen sind, muss jeder zertifizierte Betrieb für jedes Kalenderjahr eine Lizenzgebühr entrichten. Die Lizenzgebühr beläuft sich auf 120 Euroo pro Fertigungsstätte, die für den zertifizierten Betrieb inspiziert wird. Diese wird vom zuständigen Zertifizierer erhoben und an die Internationale Arbeitsgruppe weitergeleitet.

Wie können Betriebe ihre GOTS Zertifizierung nutzen?

Verarbeitungs- und Konfektionsbetriebe, die ein GOTS Betriebszertifikat (=Konformitätszertifikat) erhalten, können für den Geltungsbereich ihrer Zertifizierung Aufträge für die Verarbeitung/Konfektion von GOTS zertifizierten  Textilprodukten annehmen. Entsprechend sind zertifizierte Großhändler befugt, im Geltungsbereich ihrer Zertifizierung mit GOTS Textilprodukten zu handeln. Betriebe, die ein GOTS Betriebszertifikat haben, können auf dem Markt mit ihrem Zertifizierungsstatus werben. Dabei ist jedoch der Eindruck zu vermeiden, dass alle ihre Produkte zertifiziert sind, sofern dies nicht der Fall ist. Weiterhin ist sicherzustellen, dass in der Kennzeichnung, in Publikationen und der Produktwerbung keine Verwechslung zwischen zertifizierten und nicht zertifizierten Produkten entstehen kann.
Zertifizierte Betriebe werden außerdem auf dieser Webseite in der öffentlichen GOTS Datenbank geführt.

Wer in der Lieferkette muss zertifiziert sein, damit ein Endprodukt GOTS zertifiziert sein kann?

Alle Verarbeitungs- und Konfektionierungsbetriebe sowie Großhändler (= im B2B-Geschäft tätigen Händler), die in der Lieferkette eines Textilproduktes, das als GOTS zertifiziert verkauft, gekennzeichnet oder präsentiert wird, müssen GOTS zertifiziert sein. Eine Ausnahme besteht nur für Großhändler, die weniger als 5000 Euroo Jahresumsatz mit GOTS zertifizierter Ware erwirtschften und diese bereits fertig verpackt und gelabelt beziehen. Solche Großhändler müssen sich lediglich bei einem GOTS Zertifizierer registrieren. Weitere Einzelheiten finden Sie im Abschnitt „Kennzeichnung der Produkte".

Warum besteht eine Zertifizierungspflicht für Händler, die ein Produkt nicht weiter verarbeiten oder verändern?

Zwar verändern Händler die Waren nicht, aber sie kaufen und verkaufen Textilprodukte in eigener Verantwortung und sind so ein wesentliches Bindeglied im Hinblick auf die Transparenz und Rückverfolgbarkeit innerhalb Wertschöpfungskette. Die Zertifizierung von Händlern basiert auf der Überprüfung ihrer Warenflussunterlagen. Während der Inspektion wird insbesondere ein Abgleich von Einkaufs- und Verkaufsmengen (Warenflussberechnung) vorgenommen und deren Rückverfolgbarkeit geprüft. Dadurch wird sichergestellt, dass alle Produkte, die als GOTS zertifiziert deklariert werden, auch tatsächlich zertifiziert sind. Ohne die Zertifizierung der Händler wäre keine lückenlose Überprüfung des Warenflusses möglich. Die Zertifizierungspflicht für Großhändler stellt darüber hinaus sicher, dass diese sich der Dokumentationserfordernisse zur Prüfung der Authentizität GOTS zertifizierter Produkte bewusst sind. Sie trägt so dazu bei, die Integrität der GOTS Waren zu gewährleisten.

Wie kann die Gültigkeit einer Zertifizierung von Verarbeitungs-, Konfektions- und Handelsbetrieben überprüft werden?

Die öffentlich verfügbare Datenbank auf dieser Webseite enthält alle GOTS zertifizierten Betriebe, die von den zuständigen Zertifizierern entsprechend eingetragen wurden. Unternehmen, die behaupten, GOTS zertifiziert zu sein, können auf Nachfrage ihr entsprechendes GOTS Betriebszertifikat (= Konformitätszertifikat) vorlegen. Dieses Zertifikat muss von einem der zugelassenen GOTS Zertifizierer ausgestellt sein und u.a. die Kontaktdaten des Unternehmens und den Geltungsbereich der GOTS Zertifizierung nennen. Sollten Zweifel bestehen, ob ein Zertifikat echt bzw. ein behaupteter Zertifizierungsstatus korrekt ist, kann die ausstellende Zertifizierungsstelle gebeten werden, das vorgelegte Zertifikat bzw. Namen und Zertifizierungsnummer des Unternehmens zu prüfen.


Produktzertifizierung

Wie können Verbraucher korrekt GOTS zertifizierte Produkte erkennen?

Verbraucher sollten sich die an dem Produkt befindliche Kennzeichnung anschauen. Das GOTS Label muss gut sichtbar am Produkt angebracht sein, damit der Verbraucher dieses zum Kaufzeitpunkt erkennen kann (z.B. auf der Verpackung und/oder auf einem Hänge- oder Einnähetikett).

Eine korrekte und vollständige GOTS Kennzeichnung zeigt das als Marke registrierte GOTS Logo (oder die Beschriftung „Global Organic Textile Standard"), die GOTS Kennzeichnungsstufe („kbA/kbT" bzw. „organic" oder „hergestellt aus X% kbA/kbT Fasern" bzw. „made with x% organic materials"), einen Hinweis auf die Zertifizierungsstelle sowie die Lizenznummer und/oder den Namen des zertifizierten Betriebs. Da Einzelhändler nicht verpflichtet sind, sich selbst zertifizieren zu lassen, kann die Kennzeichnung auf dem Endprodukt die Lizenznummer und/oder den Namen ihres Lieferanten (Großhändler bzw. Hersteller) aufweisen.  Nur diese korrekte GOTS Kennzeichnung bietet dem Verbraucher die Gewissheit, dass das Endprodukt GOTS zertifiziert ist. Die Verbraucher können die Informationen über den zertifizierten Betrieb aufrufen, indem sie die Lizenznummer (oder den Namen), die/der auf der GOTS Kennzeichnung angegeben ist, in unserer öffentlichen Datenbank in das Textfeld „free text" eingeben.

Produkte, die ohne diese Kennzeichnung, aber mit einem anderen Hinweis auf GOTS (Zertifizierung) versehen, beworben oder angeboten werden, weisen nicht auf eine korrekte GOTS Zertifizierung des Textilendprodukts hin. Die GOTS Kennzeichnungsbedingungen gestatten keine Verwendung des GOTS Logos (oder eines Hinweises auf die GOTS Zertifizierung) auf dem Kleidungsstück/fertigen Textilprodukt, wenn die GOTS Zertifizierung nur für Zwischenprodukte (wie z.B. Garn oder Stoff) gilt. Die Verwendung des Logos auf dem Produkt erfordert, dass die gesamte Wertschöpfungskette (aller Verarbeiter und Großhändler) und das fertige Produkt zertifiziert sind. Aussagen wie z.B. „dieses Produkt besteht aus GOTS zertifizierter Baumwolle oder zertifiziertem Garn oder Stoff" sind lediglich Behauptungen (Selbstauskünfte) des Verkäufers und wurden im GOTS Zertifizierungsprozess weder geprüft noch freigegeben.

Wie kann ein kommerzieller Käufer sicherstellen, dass die von ihm erworbenen Produkte tatsächlich GOTS zertifiziert sind?

Unternehmen, die GOTS zertifizierte Textilprodukte anbieten dürfen, haben ein GOTS Betriebszertifikat (= Konformitätszertifikat) erhalten und können aufgefordert werden, eine (elektronische) Kopie desselben vorzulegen. Dieses Zertifikat wird von einem der zugelassenen GOTS Zertifizierer ausgestellt und erklärt, dass das Unternehmen GOTS zertifiziert ist, was bedeutet, dass es in der Lage ist, die aufgeführten Produkte (oder Produktkategorien) im angegebenen Geltungsbereich GOTS konform zu produzieren. Das Betriebszertifikat ist aber natürlich kein Nachweis dafür, dass alle Produkte des Unternehmens GOTS zertifiziert sind oder dass bestimmte Lieferungen dieses Unternehmens GOTS zertifiziert sind. Sollten Zweifel bestehen, ob ein Betriebszertifikat echt ist oder nicht, kann die öffentliche GOTS Datenbank aufgerufen werden. Letztlich kann die Gültigkeit eines Zertifikats und damit der Zertifizierungsstatus eines Unternehmens jederzeit von der ausstellenden Zertifizierungsstelle bestätigt werden, wenn dieser das Zertifikat vorgelegt bzw. Name und Zertifizierungsnummer des Unternehmens angegeben wird.
Um sicherzustellen, dass eine bestimmte Lieferung von Produkten eines zertifizierten Lieferanten auch tatsächlich GOTS zertifiziert ist, kann der Lieferant gebeten werden, ein „Transaktionszertifikat" (TC) vorzulegen, das vom GOTS Zertifizierer des Lieferanten ausgestellt wird und die konkreten Produkte und Lieferdetails sowie Name und Anschrift des Käufers aufführt. Kommerzielle Käufer können die Ausstellung von TCs für jeden Einkauf / Lieferung GOTS zertifizierter Textilprodukte zu einer (Vertrags-) Bedingung für Lieferanten machen, mit denen sie in diesem Bereich zusammenarbeiten wollen. Wenn Zweifel bestehen, ob ein TC echt ist oder nicht, kann der ausstellende Zertifizierer gebeten werden, dessen Echtheit zu verifizieren.

Welche Produkte können eine GOTS Zertifizierung erhalten?

Generell erstreckt sich der Anwendungsbereich des GOTS auf alle Produkte, die als Textilprodukt bezeichnet werden können. Ein Produkt kann nur als Ganzes zertifiziert und gemäß GOTS gekennzeichnet werden. Es ist nicht möglich, lediglich einen (Bestand-)Teil eines Produktes zu zertifizieren oder zu kennzeichnen.

Welche Anforderungen müssen die Produkte im Hinblick auf die Faserzusammensetzung erfüllen?

Mindestens 70% des verwendeten Fasermaterials muss Bio-zertifiziert sein, ansonsten ist keine GOTS Zertifizierung für das Produkt möglich. Das Produkt darf keine konventionell angebauten Fasern enthalten, die auch in Bio-Qualität im selben Produkt verarbeitet sind (i.e. kein Blending/Mischen). Die GOTS Label-Stufe „hergestellt aus x% kbA/kbT Fasern" erfordert mindestens 70% zertifiziert biologisch erzeugte Naturfasern. Es dürfen maximal 10% synthetische Fasern verwendet werden. Strümpfe, Leggings und Sportbekleidung dürfen aus bis zu 25% synthetischen Fasern bestehen. Die GOTS Label-Stufe "kbA/kbT („Bio", „organic") erfordert mindestens 95% zertifiziert biologisch erzeugte Naturfasern. Die verwendeten Zutaten und Accessoires sind von dieser Berechnung ausgenommen.

Kann „Bambus" in GOTS zertifizierten Textilien verwendet werden?

Bei nahezu allen vom Rohstoff 'Bambus' stammenden Fasern, die in der industriellen Textilproduktion verwendet werden, wird keine natürliche Bambusfaser verwendet, sondern die zellulosehaltigen Bambusteile werden geschmolzen und anschließend in einem Viskose-/Rayon-Prozess unter Einwirkung von Chemikalien als Regeneratfasern wiedergewonnen. Bambus kann aus diesem Grunde nicht als natürliche oder gar biologisch erzeugte Faser gelten, selbst wenn die Bambuspflanze ursprünglich auf der Anbaufläche 'Bio' zertifiziert wurde. Folglich können solche Viskosefasern aus Bambus bei GOTS zertifizierten Textilien nur im Rahmen des zulässigen Anteils konventioneller Fasern verwendet werden. Wenn die Viskose aus im Anbau 'Bio' zertifiziertem Bambus hergestellt wurde, liegt dieser zulässige Anteil konventioneller Fasern für die Labelstufe „hergestellt aus x% kbA/kbT Fasern" bei maximal 30%. Diese Regeln gelten auch für sonstige Regeneratfasern, die aus nachwachsenden Rohstoffen (z.B. Holz, Baumwolllinters, Sojabohnen, Milch) gewonnen werden. Hersteller die Viskosefasern aus Bambus (und andere Regeneratfasern) verwenden, sollten sich auch der gesetzlichen Kennzeichnungsvorschriften in ihren Absatzmärkte bewusst sein. In der EU regelt die Verordnung Nr. 1007/2011 die Kennzeichnung von Fasern in Textilien, die Verwendung des Begriffes Bambus für eine Regeneratfaser ist danach nicht zulässig. In den USA hat die FTC (Federal Trade Commission) erklärt, dass Bambus, der über einen Rayon-Prozess verarbeitet wird, die Faserbezeichnung Rayon und nicht Bambus tragen muss (siehe FTC-Artikel „How to avoid bamboozling your customers"). Sie hat bereits Bußgelder bei Zuwiderhandlung verhängt.

Was sind die wichtigsten Produktanforderungen im Hinblick auf die (Nass-)Verarbeitung und Herstellung?

Alle Textilhilfsmittel (wie Farb- und Hilfsstoffe sowie Prozesschemikalien) müssen bEuroteilt und die Grundanforderungen in Bezug auf Gefahrensätze, Toxizität und biologische Abbaubarkeit/Eliminierbarkeit erfüllen. Kritische Zusätze, wie z.B. toxische Schwermetalle, Formaldehyd, aromatische Lösungsmittel und genetisch veränderte Organismen (GVO) sind dabei verboten. Des Weiteren gibt es Einschränkungen bezüglich der zugelassenen Materialien für Zutaten und Accessoires. Rohstoffe, Zwischenprodukte, fertige Textilprodukte sowie Accessoires müssen strenge Grenzwerte im Hinblick auf unerwünschte Rückstände erfüllen. Das Verpackungsmaterial darf kein PVC enthalten.

Warum verbietet GOTS den Einsatz von Hilfsmitteln, die genetisch veränderte Organismen (GVO) oder deren Enzyme enthalten?

Die Frage, ob Enzyme, die aus genetisch veränderten Organismen gewonnen werden, nach GOTS zulässig sein sollten, wurde bei der Revision der GOTS Version 4.0 erneut behandelt und diskutiert. Die IWG bleibt letztlich ihrer Haltung treu, dass der Einsatz genetisch veränderter Organismen, einschließlich ihrer Enzyme, unvereinbar mit der Produktion von Textilien ist, die nach GOTS mit „Bio" oder „Hergestellt aus x% biologisch erzeugten Fasern" gekennzeichnet werden. Zwar erkennt der Technische Ausschuss der IWG an, dass Verfahren und Hilfsmittel, die auf Gentechnik basieren bzw. von GVO-Organismen erzeugte Enzyme enthalten, im Vergleich zu konventionellen Textilprozessen, den Energie- und Wasserverbrauch reduzieren und Chemikalien ersetzen können. Dies ist jedoch nur eine Seite der Medaille. Es ist eine Tatsache, dass viele Organisationen und Verbraucher angesichts der vielfältigen Probleme, die sich beim Einsatz von Gentechnik bereits ergeben haben und der bisher weitgehend ungewissen Langzeitwirkungen und -risiken für die Umwelt gegenüber dieser Technologie grundsätzlich skeptisch bleiben. Darüber hinaus bestehen vor allem auch aufgrund ethischer Vorbehalte und Geschäftsgrundsätze erhebliche grundsätzliche Bedenken in Bezug auf den Einsatz von Gentechnik. Dementsprechend war und ist „GVO-frei" ein Schlüsselprinzip jedes verlässlichen ökologischen Landwirtschafts- und Lebensmittelstandards. Auch die IWG teilt diese Sorgen und erachtet es als wichtig, Verbrauchern die Wahl zu lassen, sich aktiv für ein ökologisch erzeugtes Textilprodukt entscheiden zu können, welches bewusst ohne die Verwendung von Gentechnik hergestellt wurde. Neben GOTS gibt es praktisch keinen anderen bekannten und weltweit angewandten Textilverarbeitungsstandard, der diese Frage behandelt und den Einsatz von Gentechnik grundsätzlich verbietet. GOTS appelliert in diesem Zusammenhang auch an die Enzymindustrie, diese Bedenken über eine kontroverse Technologie ernst zu nehmen und wo immer es möglich ist auch (weiterhin) natürliche Enzyme für die Textilindustrie anzubieten.

Warum verbietet GOTS den Einsatz von Hilfsmitteln, die auf funktionellen Nanopartikeln basieren?

Hilfsmittel, die auf Nanopartikeln basieren, können mit ihrer extrem geringen Größe zu einer Reihe neuartiger Materialien beitragen, über die die Wissenschaft bisher zu wenige Informationen im Hinblick auf ihre (chronischen) Langzeitfolgen hat. In der Textilindustrie werden bisher insbesondere in der Ausrüstung Nanosilberpartikel (antimikrobielle Eigenschaften) eingesetzt. Dabei wurde eine grundlegende Frage bisher noch nicht genügend erforscht: Wohin können Nanopartikel überall gelangen und welche (Langzeit-) Folgen können sie dort verursachen (im menschlichen Körper und in der Umwelt)? So gilt als erwiesen, dass Nanopartikel in Organe und Gewebe im Körper eindringen können, z.B. in Gehirn und Lunge, was größeren Partikeln nicht möglich ist. Bei Nanosilber und anderen Anwendungen in der Textilausrüstung sollte dies sehr kritischen gesehen werden. Entsprechend ist die IWG überzeugt, dass ein generelles Verbot für GOTS als einem Standard, der sich Umwelt- und humantoxikologischen Fragen annimmt, gerechtfertigt und wissenschaftlich begründet ist.

Was ist der Unterschied zwischen GOTS und Organic Content Standard (OCS von Textile Exchange) und den damit verbundenen Zertifizierungssystemen?

Während GOTS als umfassender Standard eine „vollständige Produktaussage" ermöglicht und dabei detaillierte Umwelt- und Sozialkriterien für die gesamte Textillieferkette für Produkte aus mindestens 70% biologisch erzeugten Naturfasern festlegt, begleiten OE 100 und Blended Standards (herausgegeben von Textile Exchange) den Warenfluss biologisch erzeugter Baumwolle über die gesamte Textillieferkette, um eine entsprechende „Rohstoffaussage" bezüglich der Verwendung von Bio-Baumwolle für das fertige Textil zu ermöglichen.  Umwelt- oder Sozialanforderungen für die der Ernte nachgelagertenVerarbeitungsprozesse sind indes nicht definiert. Markenhersteller und Einzelhändler können z.B. OE-Standards als Einstieg in den GOTS verwenden (als Beleg für den Einsatz von Bio-Baumwolle), während sich die Lieferketten GOTS konform organisieren. Viele Unternehmen der Lieferkette entscheiden sich  sowohl für eine Zertifizierung  nach OE als auch nach GOTS, damit sie den Anforderungen ihrer Kunden besser entsprechen können. So kann es vorkommen, dass ein bestimmtes Produkt nicht alle anspruchsvollen Verarbeitungsvorschriften von GOTS erfüllen kann (z.B. weil nicht alle verwendeten Farbstoffe und Hilfsmittel GOTS konform sind oder der Mindestanteil von 70% biologisch erzeugten Naturfasern nicht erfüllt ist). In solchen Fällen kann das Produkt nach OE-Standard zertifiziert werden, was dann zumindest eine Prüfung des Warenflusses der Biofasern abdeckt und eine Kennzeichnungsoption für den Anteil an biologisch erzeugten Fasern darstellt. GOTS- und OE-Standards verstehen sich daher nicht in erster Linie als konkurrierende, sondern vielmehr als sich ergänzende Zertifizierungssysteme. Textile Exchange bietet auf seiner Webseite eine Übersicht an, der die gemeinsamen Merkmale und Unterschiede der beiden Zertifizierungssysteme differenziert auflistet.


Kennzeichnung & Verwendung des Logos

(Ausführliche Erläuterungen zur Kennzeichnung und zur Verwendung des GOTS Logos finden Sie im Abschnitt „Lizenzierung & Kennzeichnung")

Welche Anforderungen müssen Einzelhändler erfüllen, damit sie das GOTS Logo oder einen Hinweis auf die GOTS Zertifizierung auf zertifizierten Textilien verwenden dürfen?

Der Einzelhändler muss, bevor er GOTS zertifizierte und GOTS gekennzeichnete Endprodukte an den Verbraucher verkauft, sicherstellen, dass:

  • der letzte Betrieb in der Textillieferkette, der zur Zertifizierung verpflichtet ist, über ein gültiges Konformitätszertifikat verfügt, das von einem zugelassenen Zertifizierer ausgestellt wurde:
    • Wenn der Einzelhändler gleichzeitig Großhändler ist (z.B. an andere Einzelhändler verkauft) und/oder die GOTS Waren (um-) verpackt oder (neu) kennzeichnet, muss er selbst zertifiziert sein.
    • Wenn der Einzelhändler nicht gleichzeitig Großhändler ist und die GOTS Waren nicht (um-) verpackt oder (neu) kennzeichnet, ist er von der Zertifizierungspflicht befreit. In diesem Fall muss der Einzelhändler sicherstellen, dass sein Lieferant, der ihm die fertig verpackten und gekennzeichneten GOTS Waren verkauft, zertifiziert ist (dies kann ein Großhändler oder der Hersteller sein).
  • die Produktkennzeichnung einen Hinweis (Namen und/oder Referenznummer) auf die zuletzt zertifizierte Stufe und auf deren zuständigen GOTS Zertifizierer enthält.

Welche Anforderungen müssen Großhandler (B2B-Händler) erfüllen, wenn sie das GOTS Logo oder einen Hinweis auf die GOTS Zertifizierung auf den zertifizierten Zwischenprodukten oder fertigen Textilien verwenden möchten?

Bevor der Großhändler GOTS zertifizierte und GOTS gekennzeichnete Zwischenprodukte oder fertige Textilien innerhalb der Textillieferkette verkaufen darf, muss er sicherstellen, dass:

  • er ein gültiges Betriebszertifikat eines zugelassenen Zertifizierers hat. Diese Auflage gilt für alle Händler, die einer B2B-Tätigkeit nachgehen (z.B. auch für ImportEuroe und ExportEuroe). Lediglich Großhändler, die einen Jahresumsatz von weniger als 5.000 Euro mit GOTS Waren erzielen und die diese weder (um-) verpacken noch (neu) kennzeichnen, sind von dieser Zertifizierungspflicht ausgenommen. Sie müssen sich jedoch bei einem zugelassenen Zertifizierer registrieren lassen und diesen umgehend informieren, wenn ihr Jahresumsatz 5.000 Euroo übersteigt.
  • die beabsichtigte Verwendung des GOTS Logos oder eines anderen Hinweises auf die GOTS Zertifizierung vom zuständigen Zertifizierer genehmigt wurde.
  • vollständige Warenflussunterlagen für alle Kunden geführt werden, die GOTS Waren erhalten, einschließlich Listen aller Produkte, deren Spezifikationen und Mengen.

Welche Anforderungen müssen Verarbeitungs- und Konfektionsbetriebe erfüllen, damit sie das GOTS Logo oder einen Hinweis auf die GOTS Zertifizierung auf zertifizierten Zwischenprodukte oder fertige Textilien verwenden dürfen?

Bevor Verarbeitungs- und Konfektionsbetriebe GOTS zertifizierte und GOTS gekennzeichnete Textilprodukte in der Lieferkette verkaufen dürfen, müssen sie sicherstellen, dass:

  • sie ein gültiges Betriebszertifikat eines zugelassenen Zertifizierers besitzen.
  • der geplante Einsatz des GOTS Logos oder eines anderen Hinweises auf die GOTS Zertifizierung vom zuständigen Zertifizierer genehmigt wurde.
  • vollständige Warenflussunterlagen für alle Kunden geführt werden, die GOTS Waren erhalten, einschließlich Listen aller Produkte, deren Spezifikationen und Mengen.

Wie können Markeninhaber und Einzelhändler, die nicht zur Teilnahme am Zertifizierungssystem verpflichtet sind, ein GOTS Logo für ihre Textilien beantragen?

Markeninhaber oder Einzelhändler, die nicht zur Teilnahme am GOTS Zertifizierungssystem verpflichtet sind, können ihren zertifizierten Lieferanten bitten, die Genehmigung zur Logoverwendung bei ihrem Zertifizierer einzuholen. In diesem Fall wird die Kennzeichnung unter Aufsicht des GOTS Zertifizierers des Lieferanten erfolgen und auf dem Etikett wird die Referenz des Lieferanten (dessen Name oder Lizenznummer) erscheinen. Alternativ können Markeninhaber und Einzelhändler, die nicht zertifizierungspflichtig sind, sich freiwillig für eine eigene Zertifizierung entscheiden. In diesem Fall können sie selbst bei ihrem GOTS Zertifizierer die Genehmigung zur Logoverwendung beantragen. Dementsprechend erscheint dann ihre eigene Referenz auf dem Etikett. In jedem Fall ist es nur einem GOTS zertifizierten Betrieb gestattet, ein Produkt mit einer GOTS Kennzeichnung zu versehen.

Was müssen Werbemittelhändler beachten, wenn Sie GOTS Produkte weiterverkaufen und/oder bedrucken?

Wenn GOTS zertifizierte Produkte durch Veredelung (Drucken, Sticken, etc.) weiterverarbeitet werden, ist der Werbemittelhändler in jedem Fall zertifizierungspflichtig, da ansonsten die zertifizierte Wertschöpfungskette unterbrochen wird. Da spielt es keine Rolle, ob er B2C oder B2B weiterverkauft oder auch einen Teil davon unbedruckt weiterverkauft. Global Standard gGmbH geht juristisch gegen Unternehmen vor, die z.B. zertifizierte, unbedruckte Shirts mit Drucken versehen und diese dann als GOTS zertifizierte Produkte mit GOTS Label weiterverkaufen.

Welche Kosten sind mit der Verwendung des GOTS Logos verbunden?

Neben den Zertifizierungskosten muss jeder zertifizierte Betrieb pro Kalenderjahr eine Lizenzgebühr zahlen. Die Lizenzgebühr beläuft sich auf 120 Euro pro Fertigungsstätte, die für den zertifizierten Betrieb inspiziert wird, und wird vom zuständigen Zertifizierer eingezogen und an die Internationale Arbeitsgruppe weitergeleitet. Diese Gebühr schließt auch, wie im Lizenzierungs- und Labelling Leitfaden festgelegt, das Nutzungsrecht für das GOTS Logo auf den zertifizierten Textilprodukten ein. Es wird demnach keine zusätzliche (umsatzorientierte) Gebühr für die Nutzung des GOTS Logos erhoben. Groß- und Einzelhändler, die von der Auflage zur GOTS Zertifizierung befreit sind, müssen keine Lizenzgebühr für ihre Kennzeichnung entrichten.

Kann das GOTS Logo für das Verfassen eines Artikels verwendet werden?

Organisationen, Medien und andere, die unabhängige Informationen (für Verbraucher- oder Industrie) bereitstellen, können das GOTS Logo in Zusammenhang mit korrekten Aussagen über GOTS und sein Qualitätssicherungssystem verwenden. Ein hochauflösendes Logo kann unter Angabe des Verwendungszwecks per E-Mail erbeten werden:


 FAQ zur GOTS Händlerdatenbank

Hier finden sie die GOTS Händlerdatenbank

Für welchen Zeitraum gilt der Jahresbetrag von 120 €?


Er gilt für ein Jahr ab Bezahlung der Rechnung, d.h. unterjährige Beitritte (z.B. 1.11.2014 – 31.10.2015) sind problemlos möglich.

Wie wurde der Betrag von 120 € festgelegt?


Angelehnt an die Kosten zur Lizenzierung des GOTS Labels, die ebenfalls 120 € pro Betriebsstätte p.a. betragen. Einzelhändler sind nicht zertifizierungspflichtig – in diesem Fall ist der Betrag eine Bearbeitungs- und Eintragungsgebühr.

Für welche Länder gibt es diese Händler-Datenbank?


Zunächst für Deutschland, Österreich und die Schweiz mit deutschem Nutzerinterface. Bei Interesse anderer Länder kann der Bereich bzgl. Händler ebenso wie bzgl. Sprachinterfaces später erweitert werden.

Ich bin schon Mitglied bei anderen Werbe-/Vermarktungsorganisationen. Welchen zusätzlichen Nutzen habe ich von diesem Eintrag?


Andere Plattformen sind i.d.R. nicht Label-spezifisch, d.h. Sie landen „in einem größeren Topf“, in dem Sie aber auch schwieriger gefunden werden bzw. neben zahlreichen anderen, bestenfalls „irgendwie nachhaltigen“ Läden stehen. In die GOTS Händler-Datenbank werden dagegen nur Firmen mit GOTS zertifiziertem Sortiment aufgenommen. Sie können somit gezielt von Kunden gefunden werden, die speziell und ausschließlich nach GOTS zertifizierten Textilien suchen.

Wie erfahren Kunden überhaupt von dieser Suchmöglichkeit?


Zum einen wird die Datenbank über entsprechende Suchmaschinen auffindbar sein. Außerdem werden wir auf verschiedenen Kanälen diese Recherchemöglichkeit bekannt machen.

Verschiedenes

Entspricht der GOTS der EN ISO 14024:2000 und damit den Anforderungen an eine Typ I Umweltkennzeichnung?

Ja, der GOTS erfüllt die Anforderungen an eine bestehende Umweltkennzeichnung „Typ I".
Die Normenreihe ISO 14020ff. regelt Inhalte und Zustandekommen von umweltbezogenen Produktlabeln und Deklarationen. Sie verfolgt dabei das Ziel, umwelt- und produktbezogene Aussagen möglichst nur dann zur Differenzierung am Markt zuzulassen, wenn ihre Anwendung zu einem wirklichen ökologischen Entlastungseffekt führt und sie nachvollziehbar zustande kommen. Berücksichtigt werden soll der gesamte Prozess von der Gewinnung von Rohstoffen über Herstellung, Vertrieb, Gebrauch und Entsorgung eines Produkts.
Die ISO 14024 „Umweltkennzeichnungen und Deklarationen – Umweltkennzeichnung Typ I – Grundsätze und Verfahren" ist ein Leitfaden für die Organisation, Auswahl von Produkten sowie die Festlegung, Publikation und Kontrolle von Kriterien von ökologisch orientierten Labels.
GOTS ist eine nicht kommerzielle gemeinnützige Organisation. Die in der ISO 14024 geforderte Beteiligung interessierter Kreise ist beim GOTS durch die Einladung maßgeblicher internationaler Stakeholder-Organisationen zur Mitwirkung am Revisionsprozess, welcher alle drei Jahre stattfindet, gewährleistet. Er ist umfassend und transparent organisiert: Alle von Stakeholdern erhaltenen Beiträge und Vorschläge werden geprüft und ausgewertet und das Ergebnis (inkl. der Entscheidung zur Berücksichtigung im Standard) den teilnehmenden Organisationen dargestellt. Weiteres wichtiges Kriterium ist die Vergabe des Umweltzeichens selbst durch eine unabhängige Stelle (Drittzertifizierung); dies wird beim GOTS durch unabhängige, speziell akkreditierte Zertifizierer gewährleistet. Die Akkreditierung dieser Zertifizierer erfolgt wiederum durch unabhängige und international anerkannte Akkreditierungsstellen. Zudem muss die Laufzeit der Zeichen zeitlich begrenzt und regelmäßig verifiziert werden. Das wird beim GOTS durch die jährlichen Inspektionen und die Rezertifizierung aller am Produktionsprozess beteiligten Unternehmen und die Begrenzung der Zertifikatsdauer auf maximal 16 Monate erfüllt.
Ebenso sind die Anforderungen an die Kriterien des "Typ I" hinsichtlich der Freiwilligkeit des Programms und der Labelnutzung, der Überprüfbarkeit aller Kriterien, der Berücksichtigung des Lebenszyklus der Produkte, der Umweltrelevanz und der öffentlichen Zugänglichkeit der Regeln beim GOTS erfüllt.

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